Kisumu

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    Hallo in die Runde,

    eine gute einfache Unterkunft gibt es in Kisumu im Victoria Hotel. Doppelzimmer mit breakfast für unter 2000 KSH. Dusche/WC, Moskitonetz und ein gut arbeitender Deckenventilator. War vorletzte Woche dort für eine Nacht. Einziger Haken: Mitnahme von Alkohol ins Zimmer ist strikt untersagt. Aber das war uns egal. Wir waren bis früh um 3 Uhr auf ner Disco und ich habe das erste mal seit wir in Nairobi gelandet waren zwei Mzungus gesehen. Ne Flasche Wein kostet 6 Euro. Der Matato Fahrer war so breit, dass der sich in der Nacht total verfahren hat. Aber irgendwie hat der das Hotel dann doch noch gefunden. Das einzig echte Problem ist die enorme Hitze. Der Victoriasee ist leider total überwuchert von so einem komischen Kraut. Wir mußten weit fahren, um überhaupt freies Wasser zu sehen. Eine Ausfahrt auf den Lake habe wir sein lassen, da die Guides der Meinung waren, dass wir für ne halbe Stunde 1500 KSH bezahlen sollen und nicht verhandlungsbereit waren. Meine Frau wollte mir dann noch einen Gefallen tun und wir besuchten am lake einen Zoo. Ich Vollpfosten bin da als erster rein und dann gab es zwischen meiner Frau und dem Einlasser eine heftige Diskussion in Suaheli, wovon ich kein Wort verstanden habe. Am Ende gab mir der Einlasser ein Ticket für 15 USD. Das war mir eindeutig zu teuer und als ich dann sah, dass das Ticket meiner Frau und unserem Fahrer lediglich 150 KSH kostete bin ich fast geplatzt. Es war meine erste Reise nach Kenya und die dauerte nur eine Woche, aber was ich da erlebt habe (besonders Nairobi, Kisumu, Kisii, Kericho und Nakuru) war echt der Hammer. Eigentlich sollte ich ein Buch schreiben. Falls Interesse besteht, schreibe ich ausführlicher.
    Ok, müßte Fahrtenbuch schreiben, aber mir fehlt die Motivation.

    Also kurz nach unserer Hochzeit dachte ich mir, dass es doch super wäre, wenn meine Frau nach 3 Jahren Abstinenz mal wieder nach Hause könnte. Nächstes Jahr werden wir kaum Zeit haben und so wurde mein Vorschlag sofort angenommen. Eine Prophylaxe in Form von Hepatitis A/B waren sowieso auf Grund der Kurzfristigkeit des Trips hinfällig. Die Malaria Tabletten hätte ich mir wohl auch klemmen können. Das war mein erster Flug seit 1993. Ich wollte eigentlich nur 3-4 Tage bleiben, habe mich aber entschlossen das Ganze auf eine Woche zu erweitern und somit eine Rundreise zu ermöglichen. Ich buchte sehr kurzfristig die Flüge van Berlin nach Nairobi und habe mich da etwas verzockt. Hätte das Ticket schon für 470,- Euro bekommen und dacht der Preis fällt noch weiter, aber mußte dann die Reise über Türkish Airline mit 540,- Euro pro Person bezahlen. Der Service bei Türkish Airline ist super. Eine Stunde Aufenthalt in Istanbul waren ok. Der Airport hat was zu bieten. Um 3:30 morgens landeten wir in Nairobi. Die Cousine meiner Frau mit Fahrer haben uns schon erwartet. Das Klima war furchtbar. Es hatte kurz vorher geregnet und obwohl es Nacht war, war es heiß. Nach 5 Minuten Fahrt bekam ich den ersten Schock. In einem Kreisverkehr waren Löcher im Asphalt, so was habe ich noch nie gesehen. Für das was wir später noch erlebten war die Straße aber wie eine Autobahn. Dann kam Leben auf die Straße. Überall waren diese Matatos, total rottige Fahrzeuge und überall an den Straßen säumten sich unendlich viele Leute, die auf die Matatos warteten. Dann begann etwas, was ich nie vergessen werde. Ich saß ja auf der falschen Seite in dem Auto und sah dann immer nach links raus und hatte ein scheiß Gefühl. Das was ich da in der Dunkelheit sah, diese paar Feuer und eine unendliche Weite an Baracken und seltsame Gestalten davor. Ich mußte mal leise meine Frau fragen, was denn das ist und so bekam ich erste Ansichten von einem Slum und sah jetzt auch diese unendlichen Müllberge beiderseits dieser so genannten Straße. Es war wirklich grauenhaft. Dann verließen wir diese Straße und kamen auf einen unbefestigten Weg. Ich habe erst später erfahren, dass unser Fahrer ein Matato Fahrer ist und zollte ihm nun erstmalig Respekt. Der Weg würde hier als unbefahrbar gelten. Riesige tiefe Löcher voll mit Schlamm. Dann erreichten wir das Haus der Cousine. Ein Stahltor war zu sehen. Es öffnete sich einen Spalt. Wir huschten mit unseren Klamotten rein. Hinter uns wurde das Stahltor sofort wieder verrammelt. Der Flur war ohne Dach und als ich ins Wohnzimmer kam stockte mir wieder der Atem. Uralte Möbel, nasse Luft und nur eine Sparlampe an der Decke, die kaum Licht bot. Ich wollte eigentlich zwei Stunden pennen, aber die nasse Luft hielt ich nicht aus, außerdem waren da Kakerlaken an der Wand so groß wie Kronkorken. Nee das hatte ich mir so nicht vorgestellt. Um 8 Uhr wollten wir dann mit der Cousine einkaufen gehen. So ein Kilometer entfernt sollte ein Nakumat sein. Als ich aus dem haus kam, sah ich nun wirklich das totale Elend im Licht. Unfassbar wie Menschen so leben können. Überall Katen und Müll. Auf dem Weg dahin bin ich nur meiner Frau hinterher gelaufen. Die mußte mich gegen alles blocken. Dann sah ich auch die Slums im Tageslicht. Schwere Tore davor und niemals würde mich irgend etwas hinter so ein Tor bringen. Ich habe den Leuten nicht ins Gesicht geschaut. Ich wollte nur noch weg von da. Im Nakumat war es ok, aber die Preise für Lebensmittel sind kaum niedriger als bei uns. Ich frage mich wovon die armen Leute leben. Zum Glück holte uns der Fahrer von da ab und ich mußte nicht zurück laufen. Wir packten ein paar Sachen ein und fuhren zur Mutter meiner Frau. Ach so ich habe erfahren, dass die Cousine meiner Frau und die Art und Weise wie die da leben zum "Mittelstand" gehört. Unfassbar !!! Die Mutter ist Eigentümer eines Mehrfamilienhauses und bewohnt selber eine der Wohnungen. Oh Gott wie kann die alte Frau nur da leben. Meine Frau sagte mir, dass dieses Haus mal in einer sehr noblen Gegend gelegen hat. Aber das war jetzt definitiv nicht mehr der Fall. Überall nur Müll und Katen rund rum. Die "Straße" toppte alles schon Gesehene. Da war ein Loch voll Wasser so 2 x 5 Meter groß und ich dachte: Hoffentlich bleiben wir hier nicht stecken. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie wir in dieser äußerst unsicheren Gegend versuchen das Auto aus dem Loch zu ziehen. Das ich den ganzen Tag keinen Wazungu getroffen habe versteht sich wohl von selbst. Wir besuchten dann noch eine andere Cousine und auch da war es wieder schlimm. Die hat die Mauern komplett so extrem mit hochkannt stehenden Glasscherben gespickt, dass sich da nicht mal ein Vogel drauf setzt. Die Leute haben alle Angst, besonders wenn es dunkel wird. Ich habe im Standard am 30.11. gelesen, dass Nairobi in Sachen Kriminalität ganz oben steht. Das schreiben die Kenianer über sich selbst. Wir starteten dann unsere Reise in Richtung Kisii. Zuerst diese so genannte Autobahn Richtung Kisumu und dann auf die B3 in Richtung Kisii. Diese Autobahn ist so krass. Die LKW's fahren teilweise so um 5 km/h die Hänge hoch und überall waren wieder Löcher über Löcher und alles voll Matatos. Es gibt keine Regeln, so wie in Nairobi, wo ich mich frage warum die dort Ampeln haben. Es interessiert einfach keinen. Dann hatte ich endlich mal einen tollen Blick ins Rift Valley. Ein riesiges Tal und ich fühlte mich das erste mal in Afrika. Die Art und Weise wie unser Fahrer überholte oh Gott. Nie im Leben würde ich so fahren. Dann sahen wir mal ein paar Monkeys links der Straße und die Löcher wurden weniger. Da ich mir vorstellen konnte, das der Fahrer ziemlich müde war bin ich dann mal zwei Stunden gefahren. Linksverkehr wird nie mein Ding werden. Ich verwechselte ständig Blinker und Scheibenwischer. Es ist alles sehr gewöhnungsbedürftig. Dann fingen die Löcher wieder an, die ich besonders beim Überholen nicht immer so schnell sehen konnte und der Matato Fahrer übernahm wieder. Dieser Typ war echt Klasse und hatte was drauf. Überhaupt hatte ich mit den Freunden und Verwandten meiner Frau ein super Verhältniss. Egal wie arm die sind, absolut freundlich und cool. Mich hat auch keiner nur im Entferntesten angemacht und irgend was von dem Mzungu gewollt. Wir verließen dann irgendwann gegen abend diese Straße. Die Gegend wurde wieder zunehmend bewohnt und wir waren lange in Kisii Land. Armut auch hier aber kein Vergleich zu dem Molloch Nairobi. Wir kamen nun zu einer "Villa". Hier wohnt der Bruder meiner Frau mit Familie. Er hat eine ziemlich große Teeplantage. Überhaupt wird hier im Highland extrem viel Tee angebaut. Das Klima ist auch viel besser, obwohl es fast jeden Tag regnet. Wir blieben hier zwei Tage und ich war froh, dass mal ein Tag Relax war. Wir haben gutes Tusker getrunken. Es gibt allerdings auch hier kein fließendes Wasser. Jeder Tropfen Regenwasser wird gesammelt. Der Abort bestand aus einer 1 x 1 Meter großen Zelle mit einem Loch in der Mitte. Egal wenn man muß, dann muß man. Das dieser Ort allerdings mit einer Schüssel voll heißem Wasser über dem Loch die Dusche ist... Aber es geht. Eine Schwester meiner Frau ist mit einem Engländer verheiratet und die waren auch mal da. Dieser Mzungu verließ nach begutachtung der Örtlichkeiten aber sofort wieder das Haus und mietete sich mit seiner Frau im Tal ein. Die Briten sind halt nicht wie wir. Ich habe mich am zweiten Tag dann mal auf den Weg gemacht und die Umgebung gecheckt. Ich war von den Plantagen und den Pflanzen wie Bananen und Ananas begeistert. Habe ich noch nie gesehen. Zentnerweise hängen die Bananen an den Stauden. Am Nachmittag sind wir mal runter in den Ort. Ich wollte zwei Flaschen Wein kaufen. Meine Frau hat drei Ihrer Tanten besucht. Zwei haben wir auf dem Markt getroffen und eine zu Hause. Die wohnte verhältnismäßig gut. Meine Frau gab Ihren Tanten ein paar Schillinge und wir fanden tatsächlich einen Laden, der uns Wein verkaufte. Allerdings Tetra Pack zu je 6 Euro, aber das Zeug konnte man trinken. Am Abend gab es diesmal stomach von der Ziege. Tut mir leid, aber das Zeug kann ich nicht mehr sehen. Die Ziege selber hat gut geschmeckt und zusammen mit der Soße und Ugali war das richtig gut. Dazu gab es Kachumbari. So das erstmal so weit so gut. Ich denke ich schreibe morgen weiter, dann über den Trip nach Kisumu und die Rückfahrt nach Nairobi.

    Re: Nairobi + Kisii

    Das ist ja Abenteuer pur, ich kenne Kenia ganz gut, aber in den Slums von Nairobi war ich nie. Die schlimmste Gegend wo ich war, ist die Umbegung der Akamba Busstation. Ansonsten sind die Landschaften in Kenia ganz schön. Kisii gefällt mir ganz gut, schön hügelig und nicht so kalt wie Kericho und Eldoret.
    Das mit den Strassen ist schon wahr, darum nie nachts fahren, da viele Unfälle.
    Ganz gut, dass Du die Familie Deiner Frau kennengelernt hast und sie in Ordnung sind.
    Hi F9999,

    deine geschilderten Eindrücke erinnern mich sehr stark an meine erste Kenia-Reise, da erging es mir ungefähr genau so :D
    Krasser Kontrast, fantastische Landschaft und unglaubliche Eindrücke ;)

    Dennoch kann man es lieben, alles zusammen, wenn man von natur aus eine gewisse Vorsicht und Selbstschutz in sich hat, was reflexartig funktioniert :cool:

    Ja, du hast vergessen, die spezielle Gerüche zu schildern. :D

    Erzähl weiter, schön zu lesen.


    mzungu
    Na gut dann mache ich mal weiter.

    Am Freitag nach herzlichem Abschied von Bruder, Schwägerin und den Kids haben wir das Auto ziemlich voll mit Mais und Kartoffeln gepackt. Die waren für die Familie in Nairobi gedacht. Wir starteten unsere Fahrt nach Kisumu. Die rote Erde war knochenhart und der unbefestigte Weg über ca. 20 km war unerträglich. Die Menschen in Kisii Land leben sehr verstreut. Manche sammeln Holz, andere sitzen nur rum und überall an der Straße werden diverse Dinge verkauft. Wir sahen linker Hand dann auf befestigter Straße einen ziemlich großen Fluss. Der Fahrer hat mir auch gesagt wie der heißt, aber habe ich wieder vergessen. Es liegt auch bei weitem nicht so viel Müll rum. Wir machten dann in einer relativ großen Stadt Mittag und ich gönnte mir ein Tusker. Meine Frau war ganz scharf auf den weißen gegrillten Mais. Mir ist das Zeug etwas hart und es fehlt doch irgendwie etwas Salz. Als der Verkäufer mich mit meiner Frau sah, sagte er, dass er stolz auf mich ist. Ich war natürlich auch hier der einzige Weiße. Das gesamte Finanzmanagement habe ich von vornherein meiner Frau überlassen.

    Alles was ich vorbereitete bevor wir unsere Tour starteten ohne Rücksprache mit meiner Frau war in der Regel ein mistake. Ich würde nie wieder Euro hier in Deutschland in KSH wechseln. Für 600 Euro bekam ich 58500 KSH. In Kisumu haben wir bei Forex getauscht und wir bekamen für 400 Euro 42000 KSH. Außerdem habe ich in Nairobi mal mit meiner Sparkassen Girokarte 30000 KSH abgehoben und auf meinem Kontoauszug war ein Minus in Höhe von 277,76 Euro. Aber das nur nebenbei.

    Die Weiterfahrt war dann ohne weitere Vorkommnisse, außer das es immer heißer wurde. Wir waren nun in Luo Land und der traffic wurde immer mehr und erinnerte an Nairobi. Ich bekam auf mein Smartphone nun auch alle emails, denn wie in Nairobi und überhaupt fast überall steht dort ein H wie HSDPA. Die Datengeschwindigkeit ist allerdings nicht so gut wie bei uns, aber es geht. In Kisii Land ist mit der Safaricom Karte nichts zu holen. Ich habe versucht eine mail mit drei Bildern (3 Megabyte) zu versenden, aber mit dem EDGE Netz ging es einfach nicht. Eine Aufladekarte kostet 100 KSH und beinhaltet 80 Megabyte Inklusivvolumen. Mit den 100 KSH klappt ein Gespräch nach Old Germany für 10 Minuten. Dann ist die Karte runter.

    Kisumu ist eine sehr große Stadt und das Klima unerträglich. Das liegt am Nahe gelegenen Victoriasee. Die Innenstadt ist relativ sauber und sogar die Einwohner liegen im Schatten der Bäume. Ich ging mit meiner Frau wie oben erwähnt Geld wechseln und wir trafen einen guten Freund (Der ist Pfarrer) der Schwester einer Freundin meiner Frau (klingt kompliziert ???). Na ja die Freundin meiner Frau wohnt seit 6 Jahren in Germany und wir haben von Ihr 10 Kilo Klamotten mit bekommen und trafen dann auch noch Ihre Schwester und übergaben Ihr das Zeug. Gegessen haben wir in einem relativ noblen Hotel. Was es gab ??? Natürlich Tilapia. Leider sind die Pommes in Kenia meist sehr matschig und Ugali ist die definitiv bessere Wahl. Der Tilapia war perfekt auf den Punkt fritiert. Ein Hochgenuss. Der Fahrer ist uns dann eine Weile abhanden gekommen. Der fuhr das sehr rotlastig verfärbte Auto runter an den Victoriasee. Da stehen die Leute und waschen das Auto für 150 KSH. Meine Frau begutachtete zwischenzeitlich die Zimmer. Der Preis in Höhe von rund 3000 KSH für ein Doppelzimmer war ihr aber zu hoch. Alles in allem schien es so, dass die Verarmung nicht so extrem wie in Nairobi ist, aber das war ein Irrtum. Wir fuhren dann in ein Hotel sehr nahe einem Slum. Unser Fahrer war ein guter Freund vom Inhaber. Der Pfarrer sagte uns, dass die Gegend hier enorm unsicher ist und es keinen Zaun gibt. Wir fuhren dann den Pfarrer in seine Kirche und auch diese Gegend war sehr runter gekommen. Die wohlhabenden Gebäude sind fast alle komplett mit Elektrozäunen gesichert auf welchen überall Totenköpfe abgebildet sind. Das Slum Nyalenda erinnerte wieder an Nairobi und ein Unbehagen stieg wieder auf. Wieder diese grünen Stahltore, wo ich gelegnetlich dahinter sehen konnte. Elend ohne Grenzen und wieder der viele Müll. Am Victoriasee trafen wir dann noch einen Guide, der uns sagte, dass diese elende Pflanze, die den See verseucht alle Tilapia wegtreibt. Es leben unter der Pflanze nur noch vereinzelt Cutfishe (Welse). Manuell läßt sich die Pflanze nicht mehr bekämpfen und Chemikalien möchte man nicht verwenden, da man um die Tierwelt fürchtet. Die Pflanze soll ein weißer Amerikaner einhgeschleppt haben.

    An dem Punkt kürze ich jetzt mal ab und zitiere meinen Kommentar aus dem Forum von vorgestern:


    "Hallo in die Runde,

    eine gute einfache Unterkunft gibt es in Kisumu im Victoria Hotel. Doppelzimmer mit breakfast für unter 2000 KSH. Dusche/WC, Moskitonetz und ein gut arbeitender Deckenventilator. War vorletzte Woche dort für eine Nacht. Einziger Haken: Mitnahme von Alkohol ins Zimmer ist strikt untersagt. Aber das war uns egal. Wir waren bis früh um 3 Uhr auf ner Disco und ich habe das erste mal seit wir in Nairobi gelandet waren zwei Mzungus gesehen. Ne Flasche Wein kostet 6 Euro. Der Matato Fahrer war so breit, dass der sich in der Nacht total verfahren hat. Aber irgendwie hat der das Hotel dann doch noch gefunden. Das einzig echte Problem ist die enorme Hitze. Der Victoriasee ist leider total überwuchert von so einem komischen Kraut. Wir mußten weit fahren, um überhaupt freies Wasser zu sehen. Eine Ausfahrt auf den Lake habe wir sein lassen, da die Guides der Meinung waren, dass wir für ne halbe Stunde 1500 KSH bezahlen sollen und nicht verhandlungsbereit waren. Meine Frau wollte mir dann noch einen Gefallen tun und wir besuchten am lake einen Zoo. Ich Vollpfosten bin da als erster rein und dann gab es zwischen meiner Frau und dem Einlasser eine heftige Diskussion in Suaheli, wovon ich kein Wort verstanden habe. Am Ende gab mir der Einlasser ein Ticket für 15 USD. Das war mir eindeutig zu teuer und als ich dann sah, dass das Ticket meiner Frau und unserem Fahrer lediglich 150 KSH kostete bin ich fast geplatzt. Es war meine erste Reise nach Kenya und die dauerte nur eine Woche, aber was ich da erlebt habe (besonders Nairobi, Kisumu, Kisii, Kericho und Nakuru) war echt der Hammer. Eigentlich sollte ich ein Buch schreiben. Falls Interesse besteht, schreibe ich ausführlicher."

    Die Rückfahrt nach Nairobi verlief dann leider nicht so glimpflich. Zwischen Kisumu und Kericho hatten wir einen Platten, was nicht wirklich verwundert. Der Reifen vorne links qualmte und ich pumpte den Karren mit dem Wagenheber hoch. Das Reserverad hatte die Größe eines Schubkarrenrades und ein Profil war auf dem Reifen nicht zu sehen. Da ich einen weltweiten Schutzbrief bei der DAS Versicherung habe, wollte ich in München den Schaden melden. Die 0800 er Nummer ging aber nicht anzrufen. Über meinen Vater bekam ich aber einen Rückruf aus München und die sagten mir, dass es in Kenya keinen Abschleppdienst gibt mit dem die einen vertrag haben. Ich solle doch die Rechnungen einreichen, wenn ich wieder zu Hause bin. Ich hatte so einen Fall vor Jahren in Norwegen und Schweden. da klappte das viel besser. Na ja wir sind in Afrika und der Fahrer fuhr mit diesem NOOOOTRAD auch wieder so um die 70 km/h und ich hoffte bloß bald in Kericho zu sein.

    Kericho ist keine schöne Stadt, aber hoch gelegen und das Klima ist viel besser, aber es weht ständig der rote Sand. Wir fanden im zweiten Versuch eine Tanke, die auch Puncher verarbeitete. Wir mußten uns anstellen, da wir nicht die einzigen mit Puncher waren. Die zogen dann den Reifen ab, nahmen den Schlauch raus, flickten den und zogen den total deformierten Reifen wieder drauf. Unfassbar !!! Meine Frau zog dann während ich mit dem Fahrer essen war durch die Läden und wollte mich absolut nicht dabei haben. Die sagte mir, dass mein Beisein die Preise explodieren läßt. Sie kaufte größere Mengen Tee, der ja hier oben in Unmengen angepflanzt wird.

    Wir fuhren nun weiter in Richtung Nakuru. In Nakuru wollten wir eine gute Freundin meiner Frau treffen, die eigentlich nicht weit weg von uns in Germany wohnt und hier verheiratet ist. Aber nach dem Tod Ihrer Schwester im April flog Sie nach Kenya und will nun nicht mehr zurück. Ihr Mann ist auch geschätzte 40 Jahre älter und ein A..schloch. Ich kenne die persönlich recht gut und freute mich auf das Treffen. Leider bekam ich dann eine komische SMS von Ihr: "Sorry bin in Mombasa und sehr busy." Was die da macht will ich nicht wissen. In Nakuru gibt es einen reichen Briten, der massiv auf Milchprodukte setzt und eine riesige Farm hat. Im Nakumat gab es dann entsprechend Joghurt in allen Facetten und ich leistete mir eine Tüte getrocknete Beef Sticks für 150 KSH. Weiter ging es dann Richtung Nairobi. Hier war ich nun das erste mal in der Innenstadt mit den Hochhäusern. Nur wenig Müll und da sind sogar Polizisten, die den traffic regeln. In der Innenstadt wollten wir dann den jüngeren Bruder meiner Frau treffen. Der Typ ist auch ganz cool. Ich hatte mit dem schon von hier aus Deutschland telefoniert. Wir trafen uns dann tatsächlich in einem muslimischen Lokal, dass für 1500 KSH ein Buffet angeboten hatte. Leider auch hier religiös begründet kein Tusker, kein Wein. Sei es drum das Treffen war herzlich und wir fuhren zusammen mit Ihrem Bruder in eine Kirche, die auch Übernachtungen ermöglicht. Mit 2300 KSH inklusive Breakfast ist man dabei. Das Zimmer war ok, ich vermißte allerdings einen TV. Hier gab es aber einen offenen WLAN Hotspot und ich habe mir auf dem Smartphone die Tagesschau angesehen. Alkohol im Zimmer wieder 100% tabu. Am Sonntag früh bin ich mit meiner Frau in eine Kirche gefahren. Ich bin kein Kirchengänger und auch nicht Mitglied einer solchen, aber was da abging war der Hammer. Alles in english, es wurde gesungen, getanzt und in sich gegangen. Die vorne auftretenden Leute waren alles Profis. Ich taxe, dass so um die 3000 Leute in der Kirche waren und mußte lachen, als ich daran dachte, wie ich mit meiner Frau letztes Weihnachten bei uns im Dorf in der Kirche war und es war hier so laaaangweilig. Nach der Kirche warteten wir draußen auf den Fahrer, der den nächsten Platten reparieren lassen mußte. Ich war in der Kirche auch wieder der einzige Weiße und habe meine Frau gefragt, wo denn die hier wohneneden Weißen in eine Kirche gehen. Das wußte sie aber auch nicht. Wir fuhren dann in eine wieder etwas runter gekommene Gegend, aber da gibt es ein Lokal, was es in sich hat. Der Fahrer war draußen und begutachtete die Holzkohegrills. Ich saß mit meiner Frau drinnen und wir warteten auf das was der Fahrer für uns alle bestellt hat. Meine Frau war etwas sackig, da der Fahrer wohl viel zu viel kaufte. Ich zog mir zwei Guiness rein und wir warteten exakt eine Stunde auf das Essen. Hey und das hat sich dann gelohnt. Es gab Nyama Choma (ein komplettes zerlegtes Ziegenbein) auf Holzkohle gegrillt dazu das obligatorische Ugali, Kachumbari und dann sogar Mokimo (bin kein Fan von Avocado, aber das Zeug schmeckt). Am Abend trafen wir dann nochmal den Bruder meiner Frau, diesmal mit seiner Frau. Der Bruder besorgte uns in der Kirche eine Abendmahl in Form eines vegetarischen Büffets und da wir wie immer knapp bei Kasse waren, hat er uns da noch einen Rabatt besorgt. Der folgende Montag war dann für Behördengänge verplant und wir waren Dank einer etwas höheren Summe mit einer Sache erfolgreich, die normalerweise ein paar Monate dauert. Details werde ich hier nicht berichten, aber gegen entsprechendes Entgeld ist in Kenya ALLES möglich. Ein Erlebnis hatte ich noch. Wir waren Montag nochmal bei Ihrer Mutter. Die lag leider im Krankenhaus und der Fahrer sollte sie abholen. Plötzlich hörte ich auf dem Balkon so ein Plätschern. Sofort rief meine Frau nach mir: Los hole das schwarze Plastefass. Ich wußte nicht warum, tat es aber und sie stellte das Fass unter einen langsam tropfenden Wasserhahn. Hey das ist das erste Wasser seit drei Tagen hat sie mir gesagt. Unfassbar !!! Übrigens ein handy sollte man überall laden wo immer es geht. Egal ob Kisii oder Nairobi ständig fällt der Strom aus und man hat keine Peilung für wie lange.

    Ich flog dann am kommenden Dienstag früh über Istanbul zurück. Die Boeing 737 war fast leer und ich konnte auf drei Sitzen von den 6,5 Stunden endlich 5 Stunden pennen. Meine Frau ließ ich wie versprochen für ein paar Tage mehr in Ihrer Heimat. Wir telefonieren täglich über die 01067 für sagenhafte 4,9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz zum Kenya Handy. Alles in Allem war es eine tolle und sehr lehrreiche Woche und zum Schluss noch folgendes:

    Ich will wieder dahin zurück !!!