Rolli hat geschrieben:Man kann in jede Geste irgendetwas hineininterpretieren und zum Betrügen gehören immer 2, einer der betrügt und einer der sich betrügen lässt. Auch in Afrika sollte man seinen Verstand nicht völlig auschalten.

Hallo Rolli,
damit möchte ich dir wehement widersprechen...ohne deine Person anzugreifen, aber
" einer der sich betrügen lässt" weiß dass er betrogen wird...
..anders sieht es aus wenn du belogen wirst und nicht weißt dass du betrogen wirst.
Um dies zu verstehen muss man schon ziemlich weit abtauchen und sich mit der Kultur auseinandersetzen. Hätte das auch nicht für möglich gehalten. Denn in unserer Kultur geht man schließlich von Treu und Glauben aus. In Afrika ist der Überlebenskampf einfach zu groß um sich auf solche Gefühlsdusselei zu beschränken.Das stopft leider keine Mäuler.Ehrlicherweise muss man dazu sagen würden wir uns in solch einer Situation vielleicht ähnlich verhalten. Was allerdings das gemeine an der Geschichte ist, unsere Gutmütigkeit wird für Ihre Zwecke missbraucht. Nur mit Verstand kann keiner in Kenya überleben und wir schalten ihn aus weil unser Herz in anbetracht bettelner Kinderaugen fast zerbricht. Vielleicht ein kurzes Beispiel:
An der Anlegestelle Fähre Mombasa beobachtet ich eine längere Zeit einen cirka 8 jährigen Jungen. Er hatte ein entstelltes Gesicht und verkrüppelte Arme. Mein Mitleid wuchs ins unermessliche....schließlich haben schon gesunde Menschen kaum aussichten auf ein menschenwürdiges leben...wie dann erst so ein Kind ohne jegliche medizinische Versorgung. Ich unterhielt mich über diese Situation mit einem schweizer Ehepaar das schon lange in Kenya lebt. Was sie mir erzählten war schockierend. Dieses Kind wurde regelmässig morgens von dem Vater an die Anlegestelle gebracht um tagsüber von den Touristen zu betteln und Mitleid zu erwecken, abends wurde der Goldesel vom Vater höchstpersönlich abgeholt. Dieses Kind ernährte mit seiner Behinderung eine siebenköpfige Familie und wurde dementsprechend wie ein Juwel gehandhabt.
Auch muss man sich vor Augen halten, dass ganze Familien sich ernähren wenn nur ein einziges Familienmitglied sich einen mzungu "hält".
Dies sage ich ganz bewußt so und insider wissen was damit gemeint ist. Auch auf die Gefahr hin hier eine böse Rüge zu bekommen.
Da hilft auch der Verstand nicht wirklich weiter, wenn du nicht an Infomationen rankommst die dich aufklären könnten. Da aber alle Familienmitglieder davon provitieren, wird keiner auch nur den anderen in irgendeiner Weise verraten. Wer schlägt schon die Hand die ihn füttert.
Auch möchte ich hier mal auf das Thema Bezness hinweisen, was ganz gerne immer wieder mit Sextourismus verwechselt wird. Nähere infos gerne mal unter.
http://www.1001geschichte.de/Hierzu sei vielleicht vermerkt dass schon die Jüngsten auf die Beachakademie geschickt werden und auf Sprachen und Sozialverhalten der mzungus getrimmt werden. Hier den Verstand einzusetzten lässt sich nicht nach Europäischen Massstab gleichsetzen. Wie soll sich jemand gegen Betrug wehren, wenn er nicht weiß dass er betrogen wird. Sicher fangen nach einer gewissen Zeit an Zweifel aufzukeimen, aber gegen die abgebrühten, schon seit Generationen überlieferten Phsychotricks kann sich der Verstand nicht wehren....allerhöchstens ein ausgeprägtes Feingefühl lässt vermuten da könnte was nicht stimmen...aber Beweise oder die Wahreit bekommt man so gut wie nie heraus.
Auch hier zum besseren Verständniss ein Beispiel:
Mein "Mzunguhalter" belog mich fast ein Jahr er sei nicht verheiratet, hätte keine Kinder.....was im anbetracht seines alters glaubwürdig erschien. stutzig wird man aber alle mal...nur spätestens wenn du der Familie vorgestellt wirst und alle seine Mitglieder (das waren immerhin 12 Personen) versichern, er spricht die Wahrheit zerfallen alle Zweifel wie von selbst. Zufälle ergeben sich aber auch in Afrika und so stelle sich dann heraus, eine seiner Schwestern war seine Frau, drei seiner angeblichen Geschwister seine Kinder.
Unfassbar dass er selbst jetzt noch im nachhinein behauptet es wären nicht seine. Befasst man sich mit der Problematik aber näher wird einem schnell klar warum so gehandelt wird. In Anbetracht dass in der Afrikanischen Tradition schon sehr früh verheiratet wird besteht nicht eine familiäre bindung wie wir sie aus dem Westen kennen. Zwar spielt Familie eine sehr große Rolle, aber nicht in der Rollenverteilung der Geschlechter oder der Altersverteilung. Dies ist abhängig vom Stellenwert innerhalb der Familie. Zwar werden vorwiegend die Männer diese Monopolstellung einbehalten, konnte aber auch schon beobachten, dass wenn die Frau das Überleben sichert der Familienstatus sich rapide anhebt.Trotzdem........Die Abgebrühtheit.......im übrigen nicht mehr nur zum überleben....... sondern aus reiner Provitgier geht ins Unermessliche....mit unserem Unwissen unterstüzen wir das ganze auch noch, was mich persönlich am meisten betroffen gemacht hat...Nun.... Wie soll hier der Verstand helfen. Allerhöchstens Aufklärung an die mzungus, was ich uns allen hier wünschen würde um so manches seelische Leid, finanzielles Leid oder Liebeskummer nicht in Lebenskummer zu verwandeln.
Biege nie die Seele eines Menschen, stehe auf und erbarme dich seiner.......